Zur Reform der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein sagt Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion:

Spät, aber nicht zu spät wird die Ausbildung der künftigen Lehrerinnen und Lehrer an die seit 2007 neu geordnete Schullandschaft und die veränderte Lebenswirklichkeit von Schülerinnen und Schülern in Schleswig-Holstein angepasst. Die lehrerbildenden Hochschulen und das Bildungsministerium haben sich auf ein Modell verständigt, das bei den künftigen Lehrkräften an Grundschulen, an den weiterführenden allgemeinbildenden Schulen und an den Berufsschulen optimale fachliche Qualifikationen mit den nötigen pädagogischen Kompetenzen verbindet. Der praktische Anteil der Ausbildung wird erhöht, Inklusion und Binnendifferenzierung nehmen einen großen Raum ein.

Im Koalitionsvertrag hatten wir uns vorgenommen, das Lehrerbildungsgesetz noch 2012 einzubringen. Es war richtig, von diesem ambitionierten Fahrplan abzuweichen und erst in den landesweiten Dialog über das neue Schulgesetz einzutreten und außerdem die beteiligten Hochschulen intensiv an der Erarbeitung des Lehrerbildungsgesetzes zu beteiligen. Wir freuen uns auf den in Kürze anstehenden parlamentarischen Teil der Reform. Und wir wissen, dass das Praxissemester noch Lösungen im ÖPNV-Angebot für Studentinnen und Studenten erfordert, genau wie neue Ausbildungsstrukturen bisherige Besoldungsstrukturen auf den Prüfstand stellen.

Wir haben glücklicherweise eine Ministerin, die vom Fach ist und die die Diskussion um die Lehrerbildung in Schleswig-Holstein seit Längerem aus unterschiedlichen Positionen begleitet. Der Dialog mit den Hochschulen verlief konstruktiv und die Hochschulen arbeiten in die beschriebene Richtung an Konzepten – übrigens nicht wegen irgendwelcher ideologischer Verklärungen, sondern im Interesse der Sache. Die CDU dagegen bleibt sich treu: Vor vier Jahren wollte sie die Medizinerausbildung an der Uni Lübeck beenden und damit die dortige Universität beerdigen. Wenn sie jetzt fordert, die künftigen Lehrkräfte nur noch an einer Universität auszubilden, bedeutet das entweder eine Schrumpfung der CAU oder das Ende für die Uni Flensburg. Lernt die Union nie aus ihren Fehlern? Ein Blick auf andere Länder zeigt: Schleswig-Holstein beschreitet mit dieser Reform keine einsamen Sonderwege. Ich selbst habe in Hamburg übrigens das „Lehramt Oberstufe an allgemeinbildenden Schulen“ studiert. Da ist keine Schulart namentlich erwähnt – aber nicht, weil in Hamburg alle Schularten abgeschafft werden sollen.

Wenn Gymnasien und Gemeinschaftsschulen den Weg zum Abitur anbieten und jede Schülerin und jeden Schüler auf dem Weg dorthin bestmöglich begleiten wollen, wenn alle Schulen die Schülerinnen und Schüler, die es nicht bis zum Abitur schaffen, bestmöglich in ihrer Entwicklung fördern wollen, dann brauchen wir dafür nicht unterschiedliche Sorten von Lehrerinnen und Lehrern. Wir brauchen solche, die sich jungen Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit zuwenden und sie fördern und fordern – fachlich und pädagogisch auf höchstem Niveau. Und genau solche Lehrerinnen und Lehrer wollen wir in Schleswig-Holstein ausbilden.

Den standesbewussten Philologen und Realschullehrern sei weiterhin ans Herz gelegt, sich gemeinsam zuerst als Pädagogen zu betrachten, dann wird auch ihnen klar werden, dass das Verbindende das Trennende überwiegt.

Martin Habersaat ist Landtagsabgeordneter

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion will gerechte Bildungschancen und individuelle Förderung für alle Kinder. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
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