Am letzten Mittwoch hatte die AfB der Kreis-SPD zu einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Einheitslehrer oder Chance für die Zukunft“ eingeladen. Das Podium war mit Landesprominenz besetzt. Es diskutierten Mathias Heidn (Landesvorsitzender der GEW), Helmut Siegmon (Landesvorsitzender des Philogogenverbandes), Sophie Schieber (Lehramtsstudentin an der Uni Kiel) und Ulf Daude (Vorsitzender der Landes-AfB der SPD). Moderiert wurde die Veranstaltung von der SPD-Kreisvorsitzenden Kirsten Patzke und David Welsch (Kreisvorsitzender der AfB).

Hintergrund ist das im Juli diesen Jahres vom Landtag beschlossene neue Lehrkräfteausbildungsgesetz, das landesweit für Diskussionen geführt hatte. In der neuen Lehrerausbildungsreform wird neben dem Grundschullehrer und dem Förderschullehrer auch ein Sekundarlehrer eingeführt, der jetzt sowohl an der Gemeinschaftsschule als auch am Gymnasium eingesetzt werden kann. Damit stellt die neue Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein einen weiteren Baustein die Überwindung des gegliederten Schulsystems dar. Dagegen wendete sich der Protest des Philologenverbandes, der Berufsvertretung der Gymnasiallehrer. Weitere Neuerungen in der Lehrerausbildungsreform sind die schulartübergreifende Festschreibung von Basisqualifikationen. Dazu gehören Kompetenzen in der Inklusion, in der Sprachbildung und im Umgang mit Heterogenität. Neu ist auch die Festschreibung eines Praxissemesters in der Uni-Ausbildung der Lehrer und eine Fortbildungspflicht für alle Lehrkräfte.

Mathias Heidn von der GEW begrüßte die Lehrerausbildungsreform, da nun den gesellschaftlichen Veränderungen endlich Rechnung getragen werde, die Anpassung an den Oberstufenaufbau  vieler Gemeinschaftsschulen erfolge und das Potential an höheren Schulabschlüssen besser erschlossen würde. Die Erweiterung um neue Aufgabenfelder durch die Basisqualifikationen sei ebenfalls richtig: „Die Hochschulen müssen sich ändern. Die Inhalte kommen nicht oben drauf, sondern die Lehrerausbildung an den Universitäten muss deutlicher auf die Schulpraxis ausgerichtet sein“. Dem stimmte auch Sophie Schieber zu: „Lehramtsstudenten haben Angst, an den Unis nicht richtig ausgebildet zu werden und dann von den Anforderungen in den Schulen überfordert zu werden.“ Auch Ulf Daude zog ein positives Fazit und verwies auf den bundesweiten Trend zur Zweigliedrigkeit im Schulsystem. Die Lehrerausbildung sei moderner geworden und löse alte Barrieren: „Lehrer laufen noch zu sehr in ihrer Schiene. Das ist nicht mehr zeitgemäß.“ Einziger Gegner der Lehrerausbildungsreform am Tisch war Siegmon: „Das eigenständige Profil zweier Schularten, Gemeinschaftsschule und Gymnasium, muss erhalten bleiben.“ Von Lehrern erwarte er, „dass sie für ihr Fach brennen. Wenn die fachliche Qualifikation stimmt, dann gelingt die Disziplin von selbst“. In der neuen Reform werden die verschiedenen Phasen zu sehr vermischt, das gehe zu Lasten der fachlichen Qualifikation der Lehrer. In der anschließenden regen Publikumsrunde wurden weitere Aspekte angesprochen. Es ging um die Lehrergesundheit, einThema, dem sich das Bildungsministerium viel zu wenig annehme. Auch die viel zu großen Klassen in den Schulen sowie die Problematik der noch sehr kleinen Oberstufen an den Gemeinschaftsschulen bereiteten den Publikumsgästen Sorgen. Wiederholt wurde auf die Unterversorgung des Schulsystems in Schleswig-Holstein hingewiesen. So schloss die Moderatorin Kirsten Patzke mit den Worten: „Die beste Bildungsreform klappt nicht, wenn zu wenig Ressourcen für die Schulen zur Verfügung gestellt werden.“

Kirsten Patzke ist SPD-Kreisvorsitzende

Die Lehrerin aus Mölln macht ganzjährig Fahrradtouren, aber keine unter 60 Kilometern. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
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David Welsch ist Kreistagsabgeordneter

Der 25-jährige Student aus Nusse hat seine Schwerpunkte in der Bildungs-, Kultur- und Umweltpolitik. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
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